Brötchenmesser Review – Eine Dystopie

Heute jährt sich mal wieder die Novelle des Deutschen Waffengesetzes (WaffG), dem wir u.a. das oft, breit & lang diskutierte Führungsverbot für verschiedene Messer (u.a. Einhandmesser) zu verdanken haben. Von der Politik geäußertes Ziel war es u.a., die Welt ein wenig sicherer und besser zu machen.
Anlässlich des Jahrestages eines seitdem kontinuierlich weitergeführten gesellschaftlichen Optimierungs- und Erziehungsprozesses möchte ich nun ein besonderes Review vorstellen:

Da mein „Trusted-User-Internet-Account“ von der Zertifizierungsstelle für ein weiteres Jahr verlängert wurde, komme ich nun endlich dazu, Euch die Neuzugänge in der Küche vorzustellen: Unsere neuen Vintage-Brötchenmesser!

Hier erst einmal die Daten:
Klingenlänge: 9,8 cm
Klingenstärke:2 mm
Gesamtlänge:21 cm
Griffdicke: 1,9 cm
Stahl:rostfrei

Vorneweg:
Wie Ihr Euch bestimmt denken könnt, freue ich mich riesig, dass meinem Antrag nach langwieriger Prüfung endlich entsprochen wurde und ich für mich und meine Familie diese Stücke noch ergattern und vor dem Recycling retten konnte.
Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Messer noch vor 1984 hergestellt wurden und so nicht der üblichen 8,5 cm Grenze für feststehende Messer unterliegen! Die entsprechende Ausnahmegenehmigung habe ich extra für die Küche rahmen lassen und wenn wir das nächste Mal zum Brunch einladen, werden unsere Freunde bestimmt Augen machen…

Erster Eindruck:
Auch wenn in der heutigen aufgeklärten Zeit der Gebrauch von Brötchenmessern aus Edelstahl antiquiert und sonderbar anmuten mag, so strahlen diese Stücke für mich doch einen rustikalen und gemütlichen Charme aus, dem ich heutzutage etwas hinterher trauere.
Die Messer selbst kommen in klassisch-geradlinigem Design daher: Schmal, schlank und wohltuend unaggressiv. Selbst Leute, die der Verwendung von Schneidwerkzeugen aus Metall ablehnend gegenüberstehen, dürften ob der schlichten Eleganz überrascht sein. Zudem sind die Brötchenmesser für ihr Alter in bemerkenswert gutem Zustand.

Griff:
Im Gegensatz zu manch anderen Buckels- oder Brötchenmessern kommen diese Messer ohne wie auch immer geartete Griffschalen aus, sondern beeindrucken durch ihren Ganzmetallgriff. Dieser liegt gut und sicher in der Hand und erlaubt ein bequemes Führen bei Tisch.

Klinge:
Klingeform & Klingenlänge:
Die Klingenform gefällt mir wirklich gut, da sie die meisten im Alltag anfallenden Aufgaben erfüllt. Da es sich bei diesen Messern zudem – wie bereits erwähnt – um Vintage-Modelle handelt, unterliegen sie dank Ausnahmegenehmigung nicht der gesetzlichen Beschränkung von 8,5 cm Klingenlänge.
Am Frühstückstisch können sie Ihren Vorteil dann auch voll und ganz ausspielen:
Dank der schön bauchigen Klinge und der breiten Messer“spitze“ ist es eine wahre Freude, z.B. die von Oma selbstgemachte Marmelade aus dem Glas zu holen und das schmieren von Brot/Brötchen ist ebenfalls sehr praktisch! Darüber hinaus reiht es sich damit nahtlos in das intelligente Design unserer anderen Küchenmesser ein.

Übrigens: Der immer noch deutlich sichtbare Wellenschliff im vorderen Drittel der Klinge hat bei der Sozialbegutachtung durch die Genehmigungsbehörde erstaunlicherweise keine Rolle gespielt – hab ich ein Glück! Eine Bestechung wäre seit der Einführung der Prohibition und der Abschaffung des Bargeldzahlungsverkehrs in Verbindung mit dem Goldbesitzverbot auch schlecht möglich gewesen…

Klingenstahl:
Die Verwendung von rostfreiem Stahl (420er?) ist meiner Meinung nach ein guter Kompromiss, mit dem ich mich nach kurzer Bedenkzeit schnell anfreunden konnte. Zwar wäre mir zu Anfang ein Messer aus Carbonstahl lieber gewesen, da dieser schneller und leichter zu schärfen ist. Aber nach einem entsprechendem Hinweis der Genehmigungsbehörde, dass es ja mittlerweile bereits Brot, Käse und Aufschnitt (aus nachhaltigem Anbau/Zucht, natürlich fair gehandelt und in Bioqualität) fertig geschnitten zu kaufen gibt, gab es für ein scharfes Messer keinen sozialadäquaten Grund mehr (Verhältnismäßigkeitsgrundsatz gemäß dem „Wofür-braucht-man-das“-Prinzip). Außerdem läuft das Messer bei Gebrauch nicht so unschön an und meine Frau ist auch beruhigt, da sich unsere Kinder beim Essen nicht selbst oder gegenseitig verletzen können.

Fazit:
Da ich die Diskussion im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis schon bei der Anschaffung der großen Kochmesser (s.o.) zur Genüge geführt habe, kenne ich den Großteil der Gegenargumente schon.

  • Wozu braucht man das?
  • Ihr kocht noch selbst? Essen gibt es doch bereits fertig! Habt Ihr keine Mikrowelle/Dosenöffner?
  • *mitleidiger Blick* Ich muss mir aber keine Sorgen machen, oder?
  • Wie „zum Fleisch schneiden?“ Ihr esst Fleisch? Habt Ihr mal an die Umwelt / Eure Gesundheit / Euren CO2-Abdruck gedacht? Fleisch ist Mord!
  • Das ist nicht Dein Ernst, oder? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!
  • Das ist bestimmt nicht erlaubt!
  • „Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?!“
  • Wen willst Du den damit umbringen?
  • Gemeinsames Frühstück/Abendessen? Mit solch rückständigen Erziehungsmethoden brauchst Du mir nicht kommen! Durch solch ein patriarchaisches Rollenbild schränkt man doch nur die Kreativität der Kinder ein.
  • Du immer mit Deinem Revoluzzertum! Was willst Du denn mit solchen Provokationen erreichen? Werd endlich erwachsen…
  • Brötchenmesser? Womöglich gar aus Solingen, was? Nee, nee, das ist mir viel zu Autobahn!

Tja – wozu überhaupt Hochwertiges, wenn das Einfache auch funktioniert?
Ganz einfach: Es ist eine Frage des Stils und des persönlichen Anspruchs an Ästhetik und Qualität. Wenn die alltäglichen Gegenstände gut und schön sind, macht es einfach mehr Spaß. Meiner Ansicht nach wird der Genuss eines gemütlichen Frühstück oder eines gemeinsamen Abendbrotes im Kreise der Familie durch diese gut erhaltenen Werkzeuge deutlich gesteigert.
Und in unserer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft sollte man als mündiger Bürger auch die Freiheit haben, darüber selbst zu entscheiden!

This article relates to german knife law and to special german sensitivities. Without detail knowledge in both fields it’s useless to read the article. In addition a translation would not work because it is hard to translate the sense of the article. Therefore the article is in german only.

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